Blutwerte und Tumormarker bei Krebs

Ein Blutbild gibt schon sehr viel Auskunft über den Zustand deines Körpers und deinen Gesundheitszustand. Es ist damit ein wichtiger Teil der Krebsdiagnostik, da Veränderungen im Blutbild auf eine Krebserkrankung hinweisen können.

Der Arzt wird dabei genau die Blutwerte analysieren lassen, die er für wichtig erachtet. Also wundere dich nicht, wenn du nicht alle aufgeführten Blutwerte findest. Auch werden verschiedene Blutwerte in unterschiedlichen Abständen bestimmt.

„Laut meiner Erfahrung haben viele Ärzte nicht die Zeit, sich ausreichend mit den Blutwerten aller Patient:innen auseinander zu setzen. Deshalb ist es wichtig, dass du selber ein Auge auf deine Blutwerte wirfst oder auf die Kontrolle bestimmter Werte bestehst. Lass dir deshalb immer deine Blutwerte aushändigen und dokumentiere deren Verlauf.

Dr. Babett Baraniec
Gründerin des Krebs Campus
, lebt seit 11 Jahren mit Leberkrebs

Dokumentiere deine Blutwerte

Auch während der Krebstherapie spielen deine Blutwerte eine große Rolle, können sie doch direkt Auskunft über den Therapieerfolg geben. Es ist also wichtig, dass du deine Werte auch selbst stets im Blick hast und kontrollierst. Um dich dabei zu unterstützen, haben wir ein umfangreiches Workbook mit Formularen, Tabellen, Diagrammen und einem begleitenden Videokurs entwickelt.

Illustration wichtiger Blutwerte in der Krebstherapie

Auf welche Blutwerte kommt es bei einer Krebserkrankung an?

Blutproben im Labor

Hämatokrit

Der Hämatokrit-Wert ist ein Maß für den Prozentsatz der Blutzellen im Gesamtblut. Der andere Teil ist das Blutplasma. Er ist wichtig für die Diagnose und Behandlung einer Vielzahl von Krankheiten, einschließlich Anämie.

Hämoglobin

Hämoglobin ist unser roter Blutfarbstoff, an dessen Eisenatomen der Sauerstoff für den Transport durch den Körper gebunden wird. Hast du zu wenig Eisen, dann wird zu wenig Hämoglobin hergestellt und dir fehlt Sauerstoff im Körper.

Erythrozyten

Das sind die roten Blutkörperchen, die den Sauerstoff von den Lungen zu den Körperzellen bringen. Ist die Anzahl zu niedrig, kann das auf eine Blutarmut hinweisen, zum Beispiel durch Eisenmangel oder innere kleine Blutungen (Darm, Magen). Beides ist bei Krebs-patienten nicht selten. Zu viele Erythrozyten kommen oftmals bei Rauchern oder Lungenerkrankungen vor.

Leukozyten

Das sind die weißen Blutkörperchen, die unser Immunsystem darstellen. Veränderte Werte zeigen oftmals Infektions-krankheiten an, aber auch bei Krebs können die Werte verändert sein. Leukozyten solltest du bei einer Immuntherapie genau beobachten, denn sie können zeigen, ob die Therapie anschlägt. Eine Unterart, die Granulozyten, sind oft therapiebedingt erhöht. Auch erhöhte Lymphozyten, ebenfalls eine Unterart der Leukozyten, sind oftmals ein gutes Zeichen während der Therapie. Leukozyten sind sehr empfindlich in Bezug auf Krebstherapien und deshalb sind oft einzelne Werte verändert. Besonders bei einer verminderten Zellzahl solltest du gut auf deine Hygiene achten und Obst bzw. Gemüse gut abwaschen, um mögliche Infektionen zu vermeiden. Denn mit einer verminderten Leukozytenzahl ist dein Immunsystem geschwächt und du bist infektanfälliger.

Thrombozyten

Thrombozyten werden auch Blutplättchen genannt und sind für die Blutgerinnung und den Wundverschluss zuständig. Das Blutgerinnungssystem ist leider bei vielen Krebspatient:innen durcheinander. Einerseits entstehen vermehrt blaue Flecken und innere Blutungen, andererseits ist auch die Thrombosegefahr erhöht. Zu diesem Gerinnungssystem gehören noch einige andere Blutwerte, wie der Quick-Wert, die Thromboplastinzeit oder der Fibrinogen-Wert.

Differentialblutbild

Das Differentialblutbild soll ein genaueres Bild über das Entzündungsgeschehen in deinem Körper liefern. Es zeigt auch mögliche Infektionen auf und gibt Hinweise auf die Art des Erregers. Zu den Blutwerten, die hier eine Rolle spielen, gehören die Monozyten, Granulozyten und Lymphozyten. Hierbei werden nicht nur die absoluten Zellzahlen betrachtet, sondern auch die Prozentzahlen. Das verschafft den Ärzt:innen ein sehr detailliertes Bild über die Leukozyten insgesamt.

Lymphozyten

Lymphozyten sind eine Art von weißen Blutkörperchen (Leukozyten), die eine wesentliche Rolle in der Immunantwort des Körpers spielen. Sie sind in zwei Haupttypen unterteilt: B-Lymphozyten, die Antikörper produzieren, um schädliche Partikel/Erreger zu markieren und T-Lymphozyten (T-Zellen), die infizierte oder Krebszellen direkt angreifen. T-Zellen spielen eine große Rolle bei der Immuntherapie.

Monozyten

Monozyten sind eine Art von weißen Blutkörperchen, die eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Infektionen spielen. Sie gehören zur angeborenen Abwehr.

Neutrophile Granulozyten

Neutrophile sind die häufigsten weißen Blutkörperchen im Blut und spielen eine wesentliche Rolle in der angeborenen Immunantwort des Körpers. Sie können schnell zum Ort einer Infektion wandern und Bakterien oder Pilze aufnehmen und zerstören.

Eosinophile Granulozyten

Eosinophile sind eine Art von weißen Blutkörperchen, die eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Parasiten und allergischen Reaktionen spielen. Sie können Substanzen freisetzen, die Parasiten zerstören, aber diese Substanzen können auch Gewebe schädigen und Entzündungen verursachen. Eosinophile können auch in den Tumor einwandern und von dort aus T-Zellen zum Tumor leiten. Eine leichte Erhöhung bei Immuntherapien gilt als gutes Zeichen.

Basophile Granulozyten

Basophile sind die seltensten weißen Blutkörperchen. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Reaktion des Körpers auf Allergien, da sie Histamin und andere entzündungsfördernde Stoffe freisetzen können.

Natürliche Killerzellen

NK-Zellen sind eine Art von Lympho-zyten, die eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von viralen Infektionen und Krebs spielen. Sie können infizierte oder transformierte Zellen erkennen und zerstören, ohne vorherige Exposition oder Antigenpräsentation zu benötigen. Eine erhöhte NK-Zellzahl ist oft mit einer besseren Prognose verbunden.

CRP / C-reaktives Protein

Das ist ein besonders wichtiger Marker. Er gehört zum Immunsystem und zeigt bei erhöhten Werten an, dass irgendwo im Körper eine Entzündung vorliegt. Er ist allerdings unspezifisch und man sieht nicht, ob es eine bakterielle Infektion, Krebs oder irgendetwas anderes ist. Dafür zeigt er oft relativ rasch an, ob eine Therapie zum Beispiel mit Antibiotika anschlägt.

Das Leberprofil

Die Leber spielt nicht nur bei Krebs eine wichtige Rolle. Sie ist unser Stoffwechselorgan und die meisten Medikamente müssen mindestens einmal durch die Leber durch. So ist es nicht verwunderlich, dass viele Krebsmedikamente negativ auf die Leber wirken können. Auch Lebermetastasen sind leider nicht selten. Deshalb stellen wir dir im Folgenden die wichtigsten Leber- werte vor.

ASAT

ASAT (Aspartat-Aminotransferase) ist ein Enzym, das normalerweise in Zellen in verschiedenen Teilen des Körpers vorkommt, einschließlich der Leber und der Muskulatur. Bei Krebspatient:innen kann ein erhöhter ASAT-Wert auf eine Schädigung der Leber durch den Tumor oder die Behandlung hinweisen, oder auf eine Muskelverletzung oder -erkrankung.

ALAT

ALAT (Alanin-Aminotransferase) ist ein Enzym, das hauptsächlich in der Leber vorkommt. Bei Krebspatient:innen kann ein erhöhter ALAT-Wert ebenfalls auf eine Leberschädigung durch den Tumor selbst, durch Metastasen oder durch die Behandlung (z.B. Chemotherapie) hinweisen.

Gamma-GT

Gamma-GT ist ein Enzym, das hauptsächlich in der Leber vorkommt und bei Schädigungen der Leber oder der Gallenwege erhöht ist. Bei Krebspatient:innen kann ein erhöhter Gamma-GT-Wert auch durch Medikamente entstehen, zum Beispiel durch Antibiotika.

Alkalische Phosphatase

AP ist ein Enzym, das in verschiedenen Teilen des Körpers vorkommt, einschließlich der Leber und der Knochen. Bei Krebspatient:innen kann ein erhöhter AP-Wert auf eine Lebererkrankung oder Knochenmetastasen hinweisen.

Bilirubin

Bilirubin ist ein Abfallprodukt, das bei dem Abbau von Hämoglobin, einem Bestandteil der roten Blutkörperchen, entsteht. Die Leber verarbeitet Bilirubin, damit es sicher mit dem Urin und dem Stuhl ausgeschieden werden kann. Ein erhöhter Bilirubinwert im Blut kann auf eine Störung dieser Prozesse hinweisen, wie zum Beispiel eine Lebererkrankung, einen Gallenwegsverschluss oder eine übermäßige Zerstörung von roten Blut-körperchen. Auch einige Krebsmedikamente führen zu einem erhöhten Bilirubinwert. Ein deutliches Zeichen für einen erhöhten Wert ist die Gelbfärbung der Haut und der Augen.

Das Nierenprofil

Auch die Nieren sind an Stoffwechselprozessen beteiligt, helfen bei der Ausscheidung von Abfallprodukten und spielen eine wichtige Rolle bei der Blutdruckregulation. Nieren können durch Krebstherapien in Mitleidenschaft gezogen werden. Im Folgenden erklären wir dir einige wichtige Werte, die Aufschluss über deine Nierenfunktion geben.

Kreatinin

Der Kreatininwert im Blut ist ein häufig verwendetes Maß für die Nierenfunktion. Ein erhöhter Kreatininwert weist möglicherweise auf eine beeinträchtigte Nierenfunktion hin. Viele Krebsmedikamente können die Nierenfunktion einschränken, weshalb die Nierenwerte oft engmaschig kontrolliert werden. Deshalb wird dieser Wert auch im Vorfeld von bildgebenden Verfahren verlangt, da Kontrastmittel über die Nieren ausgeschieden werden. Ein erhöhter Kreatininwert kann auch durch Flüssigkeitsmangel verursacht werden, der bei Krebspatient:innen aufgrund von Übelkeit, Erbrechen oder verminderter Flüssigkeitsaufnahme auftreten kann.

Harnstoff und Harnsäure

Beides sind Stoffwechselprodukte und beide werden über den Urin ausgeschieden. Somit können beide Werte Nierenprobleme anzeigen. Sie können aber auch durch Medikamente oder einseitige Ernährung verändert sein.

Weitere Blutwerte

Es gibt noch viele weitere Blutwerte, die Ärzt:innen bei Bedarf bestimmen lassen können. Im Folgenden werden wir deshalb nur die bedeutendsten dieser Blutwerte erklären.

TSH

Das ist ein Blutmarker, der anzeigt, ob mit der Schilddrüse alles in Ordnung ist. bei veränderten Werten wird mit den Hormonen T3 und T4 genauer geschaut, welches Problem die Schilddrüse hat. Vor einem Bildgebenden Verfahren wie dem CT, wo jodhaltiges Kontrastmittel gegeben werden soll, muss dieser Marker überprüft werden, um zu sehen, ob die Schilddrüse gesund ist.

LDH / Laktatdehydrogenase

Dieser Marker ist ziemlich unspezifisch, zeigt bei Erhöhung aber an, dass irgendwo im Körper Zellen absterben. Bei einer aktiven Krebserkrankung ist dieser Marker oftmals erhöht.

Werte des Stoffwechsels

Einige Blutwerte geben dir Auskunft über deinen Stoffwechsel und deine Ernährungsgewohnheiten. Gesamteiweiß und Albumin zum Beispiel sagen dir etwas über den Eiweißgehalt im Blut und über deinen Wasserhaushalt. Cholesterinwerte solltest du im Blick behalten, wenn du dich fettreich ernährst und bei Bedarf mehr gesunde Fette in deinen Speiseplan einbauen. Und Glukose behalten wir am besten im Blick, weil einige Krebstherapien Diabetes auslösen können.

Tumormarker

Es gibt verschiedene Tumormarker, die jeweils auf einen bestimmten Krebs hindeuten können. Das Problem ist, dass sie nicht immer erhöht sein müssen, also niedrige Werte Krebs leider nicht ausschließen. Und erhöhte Werte bedeuten auch nicht immer, dass man Krebs hat. Sollte bei dir aber zu Beginn der Krebserkrankung der Tumormarker erhöht sein, kann man ihn ganz gut zur Verlaufskontrolle und zum Überprüfen des Therapieansprechens verwenden. Manchmal dauert es auch während der Therapie eine Weile, bis der Tumormarker wieder sinkt. Und oftmals springt der Wert zu Therapiebeginn immer hin und her. Lass dich dadurch nicht verunsichern. Erhöhte Tumormarker bedeuten nicht unbedingt Krebs!

Videokurs „Blutwerte verstehen bei Krebs“

Da Blutwerte und Tumormarker solch ein wichtiges Thema während und nach der Therapie einer Krebserkrankung sind, haben wir einen anschaulichen Videokurs mit ganz viel Begleitmaterial erstellt, der dir alle relevanten Werte erklärt, und dich bei der Dokumentation und Auswertung mit Formularen und Diagrammen unterstützt.

Videokurs Blutwerte

Illustrationen von Blutproben und einem Mikroskop

Welche Rolle spielen deine Blutwerte bei einer Krebserkrankung? An welchen Werten erkennst du, ob deine Therapie funktionioniert? Und wie behältst du bei all den Zahlen den Überblick?

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Mit einer Mitgliedschaft bekommst du Zugang zu exklusiven Inhalten wie Videokursen, Formularen oder Workbooks. Die so erworbene Gesundheitskompetenz ist ein mächtiges Werkzeug: Es ermöglicht dir, in Gesprächen mit deinen Ärzt:innen gezieltere Fragen zu stellen und gemeinsam einen Behandlungsplan zu entwickeln, der wirklich zu dir passt.

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