Krebs Aktuell | 11. Mai 2025

Umarmungen, Erkenntnisse und schlechte Witze

Ich schreibe dir diese Zeilen an meinem Küchentisch, die zweite Tasse Kaffee noch dampfend neben mir, die Tasche halb ausgepackt, doch das Herz randvoll. Kaum einen halben Tag ist es her, dass sich die Türen der YES!CON 6.0geschlossen haben – zwei Tage, die sich wie Wochen im Zeitraffer anfühlen. Ich dachte, ich hätte einen klaren Plan für diese zwei Tage: Interviews, Panel-Zusammenfassungen, Expert:innen-Statements. Stattdessen habe ich etwas ganz anderes mitgebracht … und vielleicht ist es viel wertvoller.

Ein Abend, der größer war als sein Rahmen

Donnerstag, Pre-Dinner. Eine kleine Location, dichtes Stimmengewirr, Kerzenlicht. An unserem Tisch: Claudia vom Netzwerk Leben mit Metastasen, Carsten von Jung & Krebs, beide diesjährige Shine-a-Light-Gewinner. Wir kennen ihre Aufregung gut, denn genau so ging es uns letztes Jahr. Wir reden über das Leben mit Krebs, über Hoffnung, aber auch über das ganz normale Chaos eines fast normalen Lebens mit Krebs. Beide sind meine Vorbilder – Leitsterne, wie ich es gern formuliere.

Freitagmorgen – Stand im Abseits

Acht Uhr, Hotel-Lobby. Sebastian und ich schultern Poster, Goodiebags, Give Aways: Wir haben dieses Jahr leider keinen eigenen Stand bekommen, sondern einen Gemeinschaftsstand mit den diesjährigen Shine a Light Gewinnern. Im Kongresszentrum wartet eine Überraschung: Statt eines Stands im Hauptfoyer gibt es diesmal einen Gemeinschaftsstand in einem Nebentrakt – eng, versteckt und für Besucher:innen erst nach längerem Umherirren zu finden. Aber auf jeden Fall viel zu klein und eng, um dort mit mehreren Initiativen ins Gespräch zu kommen.

Wir entscheiden spontan, den Platz komplett den diesjährigen Preisträger:innen zu überlassen. Wir hatten letztes Jahr unser Rampenlicht. Aber dann kommen die ersten Nachrichten: „Babett, wo seid ihr? Wir finden euch nicht!“ Wenn auch du uns gesucht hast – es tut mir leid. Schreib mir einfach auf diese Mail, wir holen das Gespräch nach, versprochen.

Freitag & Samstag – zweihundert Umarmungen, viel Nähe und zu wenig Minuten

Eigentlich wollte ich zwischen den Panels entspannt von Stand zu Stand schlendern – doch schon nach den ersten Schritten war klar: Dieses Jahr bin ich nicht mehr die anonyme Besucherin, sondern ein kleiner Dreh- und Angelpunkt. Kaum hatte ich einen Arm gelöst, lag schon der nächste um meine Schultern, kaum war ein „Danke, Babett!“ verklungen, folgte das nächste. Jede Begegnung traf mitten ins Herz und ließ mich staunen, wie weit meine Worte getragen haben. Ich bin dankbar und unendlich erschöpft zugleich.

Diese Nähe ist ein Geschenk, aber sie kostet Kraft. Mit jeder neuen Geschichte, jedem Selfie und jeder rasch notierten Frage wuchs die Schlange hinter uns und damit das schlechte Gewissen, nicht allen genug Zeit zu schenken. Erst da begriff ich ganz körperlich: Begegnung ist Medizin – und Hochdosierung zugleich.

Nun sitze ich hier, wieder zu Hause und weine. Nicht nur aus Erschöpfung, sondern auch weil mir das Herz schwer wird bei dem Gedanken, wie vieles ungesagt bleiben musste. Wenn unser Gespräch zu kurz war oder deine Frage offen blieb: Schreib mir gern. Lass uns dort weitermachen, wo die Messe zu laut und die Stunden zu knapp wurden.

YES!CON – Lob, Lernkurven und leise Wünsche

Die YES!CON hat sich weiterentwickelt: Mehr Sitzgelegenheiten, großartige Verpflegung – danke an alle unsichtbaren Held:innen hinter den Kulissen. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass das Leben mit Metastasen, Patient:innen-Edukation sowie digitale Gesundheitskompetenz noch mehr Bühne erhalten. Vielleicht hilft ein Patient:innenbeirat, der Seite an Seite mit dem medizinischen Beirat arbeitet? Die Veranstalter:innen haben gezeigt, dass sie offen für Neues sind; ich reiche hiermit offiziell die Hand.

Ein notwendiges Wort an die Felix-Burda-Stiftung

Sichtbarkeit ist Verantwortung. Wenn ein Community-Manager öffentlich sagt, dass auf seiner Gala ja keine Betroffenen, sondern nur Gesunde seien und daher Humor anders als auf der YES!CON ausdrücklich gewünscht sei, trifft das wie ein Schlag. Ja, Krebs ist anstrengend und wir Betroffenen haben wahrlich nicht immer etwas zu lachen. Aber auf der YES!CON gibt es spürbare Lebensfreude, Humor, Tränen, Glück und Trauer – alles zusammen. Denn so sieht das Leben mit Krebs aus: BUNT! Und nein, Darmkrebs ist nicht zu 100% vermeidbar, auch nicht mit Vorsorge. So einfach ist die Welt leider nicht. Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass Aufklärung weder über-simplifiziert noch herabsetzt. Respekt beginnt mit Zuhören. Und Worte haben verdammt viel Macht.

Unser Video direkt von der YES!CON

All diese Eindrücke und Gedanken habe ich gemeinsam mit der wunderbaren Christine Raab in unserem heutigen YouTube-Video angesprochen, welches wir gestern direkt auf der YES!CON in Berlin aufgenommen haben.

Ich hoffe, du hast beim Zuschauen mindestens genau soviel Spaß, wie wir bei der Aufnahme: Hier geht’s zum Video.

Was aus all dem wächst: Meet & Greet – wir bringen den Campus zu dir

Das Wochenende hat mir gezeigt, wie hungrig wir nach echter Begegnung sind. Deshalb planen wir Meet & Greet-Treffen: kleine, niedrigschwellige Picknicks in Parks oder Treffen in einem Cafe überall in Deutschland. Keine Bühnen, keine Technik – nur Decken, offene Ohren und vielleicht ein Thermobecher Kaffee. Termine folgen natürlich hier im Newsletter. Ich freue mich drauf, dir (wieder) zu begegnen.

Du willst schon jetzt mehr Nähe?

  • Werde Teil des Krebs Campus. Komplementär-Workshops, Live-Q&As und eine Community, die deine Fragen versteht, bevor du sie ausgesprochen hast.

  • Erzähl Freund:innen davon. Vielleicht ist es das, was dein Gegenüber gerade braucht.

Hier kannst du gratis reinschnuppern → Krebs Campus beitreten

Müdigkeit und leiser Stolz

Jetzt, wo die Kaffeetasse leer und der Bildschirm voller Worte ist, atme ich einmal tief durch. Müdigkeit legt sich auf die Schultern, doch in der Brust breitet sich leiser Stolz aus: Wir haben etwas bewegt – miteinander.

Danke für deine Umarmung, für dein Vertrauen, für jede Frage. Danke, dass du mir hilfst, Wissen in Wärme zu verwandeln und Wärme in Kraft.

Auf ein Wiedersehen – beim Meet & Greet, im Krebs Campus oder spätestens zur YES!CON 2026.

Mit einer großen virtuellen Umarmung
deine Babett

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