Krebs Aktuell | 19. Oktober 2025
Berge erklimmen mit Metastasen
Die letzten Wochen lassen sich mit einem einzigen Bild beschreiben: Berge erklimmen mit Metastasen. Und das meine ich gleich doppelt, im ganz wörtlichen und im übertragenen Sinn.
Gipfelmomente in Südtirol
Ich war mit meiner Familie in Südtirol. Wir hatten wundervolles Wetter und die Luft war klar. Und die Berge? Hoch, majestätisch und irgendwie auch einschüchternd für mich. Trotzdem habe ich mich nicht davon abhalten lassen, sie zu erklimmen. Schritt für Schritt, mit Wanderstöcken und vielen Pausen. Meine Lunge ist durch die vielen Metastasen, Bestrahlungen und Therapien längst nicht mehr so leistungsfähig. Und auch meine fehlende Bauchdecke erschwert alles: weniger Körperspannung und weniger Halt machen sich durch unangenehme Rückenschmerzen bemerkbar.
Aber ich habe es geschafft. Und als ich oben ankam, warteten meine Familie und jubelte mir zu. Ein Moment, den ich nie vergessen werde. Manchmal fühlen sich solche Erfolge für uns Metastasierte an wie eine Besteigung des Mount Everest, obwohl die Berge in Südtirol “nur” ca. 2500 Meter hoch sind. Und doch: Jede Bewegung, jeder kleine Sieg bringt Kraft zurück. Ich habe gemerkt, wie gut mir das tut. Mein Ziel für die nächsten Wochen ist klar: Mehr Bewegung in meinen Alltag bringen, im eigenen Tempo, mit Geduld und Stolz.
Mein Tipp für dich
Vielleicht ist jetzt der Moment, in dem du dir auch ein kleines „Bewegungsziel“ setzt. Es muss kein Berg sein, vielleicht ein Spaziergang um den Block, ein paar Dehnübungen am Morgen oder einfach ein bewusst tiefer Atemzug. Für Spaziergänge kann ich dir aus eigener Erfahrung heraus Wander- bzw. Nordic Walking – Stöcke empfehlen. Sie sind für mich meine persönlichen Gamechanger, weil sie mir Halt und Kraft geben.
Der zweite Berg: Organisation mit Hindernissen
Der nächste „Berg“ war weniger schön, dafür umso bekannter: der Bürokratie-Berg im Gesundheitssystem. Seit Juli warte ich auf meinen Tumorboardbericht, in dem die nächsten Kontrolltermine terminiert sind. Ohne den Bericht keine neuen Kontrolltermine. Mehrere E-Mails, Telefonate, Nachfragen … keine Antwort. Bis mich am 15.10. endlich meine Casemanagerin anrief: „Frau Baraniec, Sie können am 13.10. zum CT kommen!“ Ich musste lachen: Kennst du den Film „Zurück in die Zukunft“? Leider kann ich nicht in die Vergangenheit reisen. Das verstand auch meine Casemanagerin.
Am Ende hat es doch geklappt, nächste Woche steht mein Staging an. Spontan wie immer, aber zum Glück passt es in meinen Kalender. Denn, was viele vergessen: Wir metastasierten Patient:innen sitzen nicht einfach zu Hause und warten auf Arzttermine. Viele von uns arbeiten, engagieren sich, leben aktiv, mit allem, was dazugehört. Und genau deswegen ist es manchmal schwerer, einen Arzttermin zu koordinieren, als einen Gipfel in Südtirol zu erklimmen.
Neues im Krebs Campus: Leben mit Metastasen
Weil ich weiß, wie herausfordernd dieses Leben zwischen Arztbriefen, Familie und Alltagsfreude sein kann, startet nun endlich unser neues 12-Wochen-Programm: „Leben mit Metastasen“. Das ist kein klassischer Coaching-Kurs, sondern ein evidenzbasiertes Selbstmanagement-Programm, das dich dabei unterstützt, deine eigene Stärke zu aktivieren.
In kleinen Gruppen (jeweils max. 24 Teilnehmer:innen) geht es um ganz praktische Themen: Wie finde ich mich im Gesundheitssystem zurecht? Wie treffe ich fundierte Therapieentscheidungen und unterstütze dabei meinen Körper, damit er gut durch diese Therapien kommt? Wie bleibe ich trotz einer metastasierten Krebserkrankung handlungsfähig?
Die ersten beiden Termine starten am:
• Dienstag, 28.10., 11 Uhr (Vormittagskurs jeden Dienstag)
• Mittwoch, 29.10., 18 Uhr (Abendkurs jeden Mittwoch)
Die Anmeldung für Mitglieder öffnet morgen. Dazu bekommen alle mit einer Aktiven Mitgliedschaft am Montag im Laufe des Tages eine E-Mail mit allen Infos und den Links zur Anmeldung. Solltest du keinen Platz ergattern, setze dich einfach per Email auf die Warteliste. Wir planen bereits weitere Kurse.
Bedenke aber bitte, dass dieser Kurs darauf ausgelegt ist, dass du aktiv teilnimmst. Das bedeutet, dass du eine Kamera und ein Mikro brauchst. Wenn du lieber in deinem eigenen Tempo lernst, findest du die Inhalte (Videos und Workbook) parallel auch in unserem Lernbereich auf Discord. Aber: Die Magie entsteht im gemeinsamen Erleben, durch Austausch, gegenseitige Unterstützung und das Gefühl, nicht allein zu sein.
Nun brauche ich aber erst einmal deine Daumen für mein Staging nächste Woche. Ich nehme all eure guten Gedanken mit auf diesen nächsten Gipfel.
Mit Liebe, Kraft und Zuversicht,
deine Babett
P.S.
Wenn du noch kein Mitglied im Krebs Campus bist, ist jetzt der perfekte Moment, um unsere Community 7 Tage kostenlos auszuprobieren. Gemeinsam lernen, lachen, weinen und hoffen wir, denn keiner muss diesen Weg allein gehen.
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