Krebs Aktuell | 4. Januar 2026
Manchmal kommt es einfach anders
Oft kommt es anders. Und vor allem anders, als man denkt.
Im letzten Newsletter habe ich noch ganz zuversichtlich geschrieben, dass ich die OP gut überstanden habe und auf dem Weg der Besserung bin. Das war einen Tag, bevor die Fäden gezogen wurden. Und drei Tage vor Weihnachten.
Am ersten Weihnachtsfeiertag fand ich mich dann in der Notaufnahme wieder. Die OP-Naht ist teilweise wieder aufgegangen. Eine sogenannte Wunddehiszenz. Kurz gesagt: Die Wunde hat beschlossen, nicht so zu heilen, wie sie soll. Bei mir liegt die Ursache unter anderem in der Krebstherapie, die leider bekannt dafür ist, Wundheilungsstörungen zu begünstigen. Und in meinem eigenen Bauchgewebe. Nach 16 Operationen ist dort einfach sehr viel Narbengewebe. Und Narbengewebe verhält sich nicht wie gesundes Gewebe. Leider.
Seitdem bin ich jeden zweiten Tag bei meiner Ärztin. Die Wunde wird gespült, ausgewischt und tamponiert. Eine sogenannte sekundäre Wundheilung findet nun statt. Die Wunde wächst langsam von unten hoch, bis sie vollständig verschlossen ist. Das dauert manchmal viele Monate. Für mich bedeutet das jetzt: Geduld, viele Arztbesuche, körperliche Einschränkungen und eine große seelische Belastung.
So ein Loch im Bauch fordert selbst mich sehr. Obwohl ich mich eigentlich als ziemlich resilient bezeichnen würde. Aber ich habe Angst. Ich weine sehr schnell, bin gereizt, unsicher und einfach unglaublich müde. Müde von den vielen Komplikationen. Müde davon, dass immer wieder etwas schiefläuft.
Aber wem erzähle ich das? Das kennst du wahrscheinlich auch. Irgendwann reicht es einfach. Irgendwann haben wir alle auch mal ein bisschen Glück verdient.
Und deshalb bin ich jetzt mutig. Und bewusst zuversichtlich.
Ich sage es ganz laut: 2026 wird mein Jahr!
Mein Bauch wird verheilen.
Ich werde mit Theda und Sebastian alle Spaßbäder in der Umgebung unsicher machen.
Ich werde im Sommer stolz und bauchfrei an der Ostsee spazieren gehen.
Ich werde viel weniger an Krebs denken als im letzten Jahr.
Es wird keine neuen Metastasen geben. Punkt.
Das wünsche ich mir. Aber das wünsche ich vor allem auch dir. Möge 2026 wundervolle Abenteuer für uns bereithalten und so wenig Nebenwirkungen, Schmerzen und Krebs wie nur irgendwie möglich.
Und falls 2026 doch wieder ein Progress an meine oder deine Tür klopft, dann wünsche ich uns von Herzen, dass die Medizin immer mindestens eine passende Therapie mehr für uns bereithält, als wir gerade brauchen.
Alles Liebe von Herzen für dich
deine Babett
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