Krebs Aktuell | 17. August 2025
Mein Schlachtfeld gehört wieder mir
Die letzten zwei Wochen haben mir wieder einmal gezeigt, wie widersprüchlich das Leben mit Krebs sein kann: so anstrengend und gleichzeitig so wunderbar.
Ich hatte nach meinem wundervollen Urlaub am Meer nun letzte Woche das Auswertungsgespräch meiner Kontrolluntersuchung. Zwei Stunden warten, zehn Minuten reden, du kennst das sicher. Vor mir ein Arzt, den ich noch nie gesehen habe. So ist das mittlerweile im Krankenhaus. Mein vertrauter Onkologe, der meine Geschichte kennt, meine Familie, meine Art zu denken und zu fühlen, ist kaum noch greifbar. Einmal im Jahr vielleicht (mit Glück zweimal) sehe ich ihn noch. Für eine metastasierte Erkrankung ist das fatal. Vertrauen ist das A und O einer guten Behandlung.
Früher hatte ich eine Ärztin, die mich regelmäßig sah, die mich mit einem warmen Lächeln begrüßte, die nicht nur meine Bedarfe, sondern auch meine Bedürfnisse verstand. Heute bin ich eine von vielen in einem überfüllten Wartezimmer, die am Ende ein zehnminütiges Arztgespräch mit einer fremden Person hat. Das ist bitter.
Diese Situation erschwert es, mit den Ärzt:innen gemeinsame Entscheidungen zu treffen. Im Idealfall sprechen mein Arzt und ich in Ruhe über die verschiedenen Möglichkeiten einer Behandlung, wägen ab, was medizinisch sinnvoll ist und was für mein Leben passt. Dieses sogenannte Shared Decision Making klingt in der Theorie wunderbar. In der Praxis braucht es aber Vertrauen, Zeit und ein echtes Kennenlernen. Wenn ich ständig wechselnde Ärzte habe, die mich nur zehn Minuten sehen, bleibt dafür kaum Raum.
Und trotzdem bin ich an diesem Tag nach Hause gefahren und habe gefeiert. Denn: Ich bin tumorfrei. Zum ersten Mal seit über einem Jahr ohne neue Herde in meiner Leber. Die Ärzte nennen das „in Remission“. Ich sage: Ein Stück Lebenszeit erobert.
Leben im Kampfmodus
Ich weiß, viele mögen die Kriegsmetaphern nicht. Aber so fühlt es sich für mich oft an: wie ein Schlachtfeld. Der Krebs nimmt sich ein Stück Körper und wir kämpfen mit allen medizinischen Möglichkeiten darum, so viel wie möglich zurückzuholen. Manchmal gelingt es, so wie jetzt in meiner Leber. Manchmal drängen wir den Krebs nur etwas an den Rand. Und manchmal ist der größte Sieg, dass wir verhindern, noch mehr zu verlieren. Aber egal wie das Ergebnis ist, wir haben nach jedem Kampf neue Wunden, körperlich und seelisch. Jeder Progress hinterlässt Spuren.
Ein metastasiertes Leben ist wie ein Marathon, nur ohne Zielgerade. Man läuft und läuft, immer mit dem Damoklesschwert im Nacken. Jeder Schmerz wird geprüft, jedes Ziehen hinterfragt. Manchmal bin ich erschöpft, manchmal wütend, manchmal voller Lebensfreude. Meist alles irgendwie gleichzeitig. Und trotzdem ist mein Leben wunderschön. Denn ich habe gelernt, was ich brauche, um mit Krebs gut leben zu können.
Mein Werkzeugkasten für ein chronisches Leben
In den letzten Jahren habe ich mir Stück für Stück einen großen Werkzeugkasten gebaut. Darin liegt alles, was mir hilft, stark zu bleiben, körperlich und vor allem seelisch. Dazu zählen Tools wie Bewegung, Ernährung und guter Schlaf. Rituale für meine Psyche führe ich täglich durch. Ein Leben mit Krebs ist ein Fulltime-Job, aber einer, den man sich durchaus angenehm gestalten kann.
Weil ich überzeugt bin, dass jede:r Betroffene so einen Koffer haben sollte, habe ich daraus ein 12-Wochen-Programm für metastasierte Menschen gemacht. Im September starten wir mit der ersten Gruppe und ich freue mich so sehr darauf. Vielleicht ist das ja genau das, was du gerade brauchst.
Aber du kannst auch heute schon anfangen, dir deine eigenen Werkzeuge zu sammeln. Hier drei kleine Ideen, die mir besonders geholfen haben:
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Das Mini-Logbuch: Schreibe dir jeden Abend drei positive Worte auf, die deinen Tag beschreiben. Nicht Sätze, nur Worte. Sie helfen dir, zu erkennen, dass dein Leben nicht nur aus Nebenwirkungen und Schmerzen besteht.
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Der Körpergruß: Lege morgens für eine Minute die Hand auf deine Brust oder deinen Bauch und sage dir: „Danke, dass du mich trägst.“ Klingt banal, hilft dir aber, deinen Körper nicht als Feind zu betrachten. Schau, was er alles schon durchgestanden hat. Er ist stärker als du glaubst.
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Mikro-Pausen: Stelle dir alle zwei Stunden einen Timer. Wenn er klingelt, atme dreimal tief durch, strecke dich, trinke ein Glas Wasser. So kombinierst du ein Mikro-Workout mit ausreichend Flüssigkeit. Denn oft vergessen wir, ausreichend zu trinken. (Aber Achtung, manchmal gibt es gesundheitliche Probleme, bei denen du eine bestimmte Flüssigkeitsmenge nicht überschreiten darfst. Höre da immer auf die ärztlichen Vorgaben.)
Schau dir dazu gern auch mein aktuelles Video auf YouTube an, darin zeige ich dir meinen Notfall-Plan gegen akute Panik und alltagstaugliche Routinen, die deinen Kopf wieder leiser machen: Hier geht’s zum Video.
Gemeinsam statt allein
Ja, die Realität im Gesundheitssystem kann ich nicht ändern. Ärzte wechseln, Gespräche bleiben oft oberflächlich, echte gemeinsame Entscheidungen sind schwer möglich. Aber ich kann etwas anderes ändern: Strukturen schaffen, die uns auffangen.
Mit dem Krebs Campus haben wir genau das gemacht. Dort sind wir eine Gemeinschaft, die Wissen teilt, miteinander lacht, Ängste versteht, Hoffnung nährt und aktuell gerade gemeinsam durch die 14-Tage-Leber-Challenge geht. Ein kleines Paralleluniversum, in dem wir nicht nur Patient:innen sind, sondern Menschen mit Träumen, Humor und Stärke. Vielleicht ist das auch ein Ort für dich? Du kannst ihn sieben Tage lang kostenlos ausprobieren. Denn niemand sollte mit Krebs allein auf dem Schlachtfeld stehen müssen.
Heute gehört das Schlachtfeld Leber wieder mir. Morgen kann alles anders sein. Aber genau jetzt, in diesem Moment, feiere ich. Und ich lade dich ein, deine kleinen Siege ebenfalls zu feiern, egal, wie unscheinbar sie dir erscheinen mögen.
Mit viel Wärme und Zuversicht,
deine Babett
P.S.
Am Donnerstag starten wir 18 Uhr im Campus auch mit unserem neuen 12-Wochen-Kurs “Keto bei Krebs”. Unsere Aktiven Mitglieder enthalten dazu am Montag eine E-Mail mit allen Infos sowie dem Link zur Anmeldung. Schau gern schon einmal in das dazugehörige Workbook. Das findest du als PDF auf der Webseite unter Workbooks oder unter Downloads in der Community. Du hast lieber ein echtes Buch in der Küche? Dann hol dir das Workbook als schön gestaltetes Buch bei Amazon.
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