Krebs Aktuell | 21. Dezember 2025

OP-Nachklang am 4. Advent

Heute ist der 4. Advent. Ich sitze auf dem Sofa und erhole mich von meiner Operation.

Vor fast zwei Wochen wurde meine Bauchwandmetastase entfernt. Gleichzeitig konnte eine Fistel geschlossen werden, die seit über drei Jahren als chronische Wunde meinen Bauch geziert hat. Also, dank der Metastase bin ich nun meine chronische Wunde endlich los. Verrückt, dass manchmal die schlimmsten Dinge mit positiven Ergebnissen daher kommen.

Als ich nach der OP aufwachte und man mir sagte, dass ich direkt auf Station könne, war ich sehr erleichtert. Ein gutes Zeichen. Und tatsächlich: Ich erholte mich erstaunlich schnell. Noch am selben Tag war ich wieder auf den Beinen, schlurfte langsam, aber allein ins Bad. Ich war so sehr erleichtert und sah mich schon zu Hause bei meinen Liebsten.

Dann die erste Verunsicherung: Eine Assistenzärztin sagte mir, die Metastase sei bis zum Bauchfell gegangen. Auf den MRT-Bildern hatte sie weniger invasiv ausgesehen. Bei der nächsten Visite klärte mich die Oberärztin auf: Nicht die Metastase, sondern die Fistel reichte bis zum Bauchfell. Puh, eine Fehlinformation. Und nun eine große Erleichterung.

Ich aß und trank schnell wieder normal und die Ärzt:innen deuteten eine mögliche Entlassung am Freitag an. Aus Freitag wurde dann leider Samstag, denn die Drainage konnte erst dann gezogen werden.

Am Freitagnachmittag wurde es plötzlich hektisch: Mein Hb-Wert war gefallen. Das kann auf innere Blutungen hindeuten, deshalb wurde vorsorglich noch einmal die Blutgruppe bestimmt, um im Ernstfall Blutkonserven anfordern zu können.

Kurz erklärt: Der Hb-Wert zeigt, wie viel Hämoglobin – also Sauerstoffträger – im Blut ist. Ist er zu niedrig, spricht man von einer Anämie, also Blutarmut. Das Hämoglobin sitzt nämlich auf den roten Blutkörperchen. Verlieren wir Blut, dann verlieren wir rote Blutkörperchen und de Hb sinkt.

Als der Hb weiter fiel, hörte ich Worte wie „Intensivstation“ und Zahlen wie 8, 5,8 und schließlich 5,4. Ich dachte nur: Der Normbereich beginnt doch bei 12! Die Nacht war furchtbar. Panik, hoher Puls, Frieren, Schwitzen. Emotional war ich wieder mitten in der Angst von vor drei Jahren, als ich nach einer OP fast verblutet wäre.

Hätte ich mal nach der Einheit gefragt. Denn der Hb-Wert kann in g/dl oder mmol/l angegeben werden. Die Referenzbereiche sind unterschiedlich: 12–16 g/dl versus 7,5–9,9 mmol/l. Mein Wert von 5,4 war mmol/l. Zu niedrig, ja, aber nicht so dramatisch, wie ich die ganze Zeit dachte. Ich hatte den falschen Referenzbereich im Kopf. Aber trotzdem sorgte der niedrige Hb letztendlich dafür, dass ich erst Sonntag entlassen werden konnte.

Was nehme ich daraus mit – und du vielleicht auch?

Im Krankenhaus hilft es, erst einmal ruhig zu bleiben, auch wenn es um einen herum hektisch wird. Viele Maßnahmen sind reine Vorsicht.

Und: Fordere klare Kommunikation ein. Zum Beispiel mit Fragen wie:

  • Von welchem Hb-Wert sprechen wir, und in welcher Einheit?

  • Wo liegt der Referenzbereich konkret?

  • Ist die OP wie geplant verlaufen? Gab es Komplikationen?

  • Wie lange muss ich den Bauchgurt tragen, bitte mit Datum?

So können wir Mißverständnisse reduzieren und das wiederum sorgt für weniger Angst.

Heute ist der 4. Advent!

Jetzt bin ich zu Hause. Und jetzt ist erst einmal alles gut. Bis zum nächsten Staging im Februar fühle ich mich tumorfrei. Ich kümmere mich darum, wieder Kraft zu sammeln, meinen Körper beim Bilden neuer roter Blutkörperchen zu unterstützen und freue mich auf meine Anschlussheilbehandlung im Januar in der Inselsberg Klinik.

Und ich bin schon wieder fit genug, um mit Theda Plätzchen zu backen. Heißen Tee trinken, Kekse essen und Liebe spüren. Das ist meine beste Medizin. Auch wenn ich noch müde bin und die Wunde heilen muss – es werden gute Weihnachten. Denn ich bin zu Hause bei meinen Liebsten.

Und auch dir wünsche ich von Herzen wundervolle Weihnachten. Wenn du sie dieses Jahr nicht zu Hause verbringen kannst, weil du im Krankenhaus bist, wünsche ich dir warmherzige Pflegefachkräfte und empathische Ärzt:innen an deiner Seite.

Fühl dich von mir umarmt, wo auch immer du gerade bist.

Ich schicke dir heilende Gedanken.
Deine Babett

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