Krebs Aktuell | 2. November 2025
Tumorfrei im Gefühlschaos
Die letzten zwei Wochen standen bei mir unter einem einzigen Thema: Leben mit Metastasen. Ich hatte Staging. Und dieses Mal war ich furchtbar nervös.
Mir ging es die letzten Wochen einfach nicht gut: Hitzewallungen, Schlaflosigkeit und Stimmungsschwankungen. Die Wechseljahre haben mich erreicht. Und ja, ich bin dankbar, dass ich sie überhaupt erleben darf. Dankbar, dass ich ganz natürlich in sie hineingehen darf und nicht, wie so viele andere, durch eine Antihormontherapie hineingezwungen werde.
Aber trotzdem: Sie bringen mich völlig aus dem Konzept. Plötzlich verstehe ich meinen Körper nicht mehr. Ich weiß nicht mehr, was er mir sagen will. Ist der Nachtschweiß hormonell oder aufgrund von erneutem Krebswachstum? Kommen die Bauchschmerzen von der Hormonumstellung oder wachsen da gerade neue Herde?
Ich tastete meinen Bauch ab, fand Knubbel, bekam Angst und sagte mir, dass das nur Verwachsungen sind. Zwölf Operationen hinterlassen Spuren, das weiß ich ja. Aber das Wissen beruhigt mich nicht wirklich.
Ein unerwartetes Ergebnis
Dann endlich der Arzttermin und die Befundbesprechung: vorerst Entwarnung, nichts Neues in der Leber. Kurzes Aufatmen. Aber wie heißt es so schön? Tumorboard sticht Radiologiebefunde. Denn schließlich kennen meine Ärzt:innen meinen Krankheitsverlauf besser und können die Bildgebung individuell interpretieren. Einige Tage später, mitten in unserem neuen Metastasen-Kurs, kam dann der Anruf mit der Auswertung des Tumorboards: Ich bin tumorfrei.
Zum ersten Mal seit Jahren steht das schwarz auf weiß. Was für eine Achterbahn. Und weißt du, was das genau für mich bedeutet? Lebenszeit. Ich darf wieder in Jahren denken. Auch wenn mein Arzt am Telefon gleich hinterher schickte: „In drei Monaten wird neu gewürfelt.“ Ja, wir Metastasierte leben im Drei-Monats-Rhythmus. Aber heute feiere ich mein Jetzt.
Wenn die Realität schneller wächst als man selbst
Gleichzeitig startete unser 12-Wochen-Programm „Leben mit Metastasen“ (schau hier gern mal rein) mit zwei Gruppen, und ich habe gemerkt, was für ein emotionaler Sturm da manchmal aufzieht. Wir Metastasierte tragen so viel in uns: Angst, Wut, Ohnmacht und dieses Gefühl der Ungerechtigkeit. Manchmal entlädt sich das ganz woanders, zum Beispiel auch bei technischen Problemen in einem Online-Kurs. Das war nicht leicht, ehrlich gesagt.
Es hat mich ziemlich geschlaucht und an meine eigenen Grenzen gebracht. Ich habe mich hinterfragt, Prozesse verbessert, mit Sebastian stundenlang an Lösungen gefeilt.
Und gleichzeitig gespürt, wie sehr der Campus gewachsen ist. Aus einer Idee am Küchentisch ist eine professionelle Lern- und Austauschplattform geworden, die für viele von uns ein sicherer Hafen ist. Das ist schön und auch ein bisschen traurig. Denn mit dem Wachstum verändert sich meine Rolle. Ich kann nicht mehr nur Mitglied sein, das sich einfach fallen lassen darf. Ich trage Verantwortung für Strukturen, Prozesse und Menschen. Und manchmal heißt das auch: mein eigenes Bedürfnis nach Halt hinten anzustellen.
Aber weißt du was? Ich tue das gern. Weil ich glaube, dass der Campus genau das wird, was uns im System so oft fehlt: ein verlässlicher Ort für Wissen, Austausch und Hoffnung. Und genau das verdanken wir auch dir: deiner Geduld und deinem Vertrauen.
Loslassen, um weiterzugehen
Das Loslassen bleibt also mein Dauerthema. Im ganz normalen Leben wie auch im Leben mit Krebs bleibt nichts auf ewig so, wie es war. Leben heißt Veränderung.
Loslassen von alten Vorstellungen, von Rollen, von der Sicherheit, immer „eine von vielen“ zu sein. Genau darin liegt Wachstum.
Vielleicht magst du dir diese Woche auch die Frage stellen: Was darf ich loslassen, damit wieder etwas Neues entstehen kann? Schreibe mir gern deine Gedanken und Gefühle dazu. Ich freue mich immer, von dir zu lesen.
Mit viel Herz und müden, aber dankbaren Grüßen,
deine Babett
P.S.
Wenn du selbst mit Metastasen lebst oder jemanden kennst, der es tut: Unser Kurs „Leben mit Metastasen“ läuft gerade, aber es werden weitere Gruppen folgen. Die Materialien und Videos kannst Du mit unserer 7-tägigen gratis Probemitgliedschaft im Krebs Campus jederzeit anschauen. Schau dich um, hör zu, stell Fragen, sei dabei. Denn keiner von uns sollte diesen Weg allein gehen müssen.
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